17.04.2012

GEMA gefährdet Kulturlandschaft

Autor: EazyFlow

Sklaven der Gema

Normalerweise übe ich mich bei dem in den letzten Jahren sehr zur Mode gewordenen GEMA-Bashing in dezenter Zurückhaltung, weil ich eine Verwertungs-gesellschaft, die die Rechte von Komponisten, Textern und Musikverlegern wahrnimmt und ihnen Gebühren für die Nutzung ihrer Werke zuführt, grundsätzlich sehr wichtig finde. Von irgendwas müssen die ja leben. Aber diesmal muss ich leider mitmachen, denn jetzt dreht die GEMA durch.

 

Durch eine Tarifreform sollen ab Anfang die GEMA-Tarife für Musikveranstaltungen neu geregelt werden. Die bisherigen (zugegebenermaßen nicht gerade übersichtlichen) elf Tarife sollen zu zwei Tarifen zusammengefasst werden. Die GEMA argumentiert, damit dem allgegenwärtigen Wunsch nach einfachen Tarifstrukturen Rechnung tragen zu wollen. Soweit so gut. Allerdings führt die neue Regelung zu einem Verlust der Einzelfallgerechtigkeit, die mit den bisherigen Tarifen zumindest halbwegs gewährleistet werden konnte.

Es gibt zwar einen kleinen Teil von Veranstaltungen und Clubs, die nach der Tarif ein Stück günstiger davonkommen, für den Großteil wird es allerdings drastisch teurer. Hiervon sind besonders Discotheken betroffen, die typischerweise von 22 bis 5 Uhr geöffnet haben: Ihnen winken Erhöhungen von durchschnittlich 400 Prozent (bei 6 Euro Eintritt, 200qm Fläche) bis zu 1.400 Prozent (15 Euro Eintritt, 500 qm Fläche)! Das ist absolut existenzgefährdend. So zahlte beispielsweise die Berliner Disco Matrix auch schon stattliche 20.000 Euro jährlich an die Gema – nach der Tarifreform wären es jedoch über 200.000 Euro! Woher soll das Geld denn bitte kommen? Plötzlich 50 Euro Eintritt statt 8 Euro? Ich denke nicht.

Eine derartige Tarifreform hätte ein bisher beispielloses Club-Sterben und somit eine deutliche Einschränkung der Vielfalt im Nachtleben zur Folge. Das wiederum würde zu deutlich geringeren Einnahmen der GEMA führen, so dass auch weniger Gelder an die Künstler ausgeschüttet werden könnten. Der Verteilerschlüssel der Ausschüttungen ist ja sowieso ein Dauerbrenner-Thema (es profitieren quasi nur bekannte und ohnehin dauernd im Radio laufende Künstler von Major Labels, unbekanntere Künstler dürfen sich über Centbeträge freuen), aber das ist ein ganz anderes Thema.

Jedenfalls kenne ich keinen Künstler, der Mitglied bei der GEMA ist und den aktuell eingeschlagenen Kurs befürwortet – spricht das nicht für sich?

Als Antwort der GEMA habe ich übrigens neulich in einem Interview gehört: “Wer ab nächstem Jahr 600% mehr zahlen muss, hat halt bisher 600% zu wenig gezahlt.” Das ist nicht nur mathematischer Blödsinn, sondern auch ignorant und eine Gefahr für die Kulturlandschaft.

Gegen die Tarifreform 2013 wurde vor kurzem eine Online-Petition gestartet, und ich bitte Sie, diese zu unterzeichnen, um den sich abzeichnenden Harakiri-Kurs im Sinne der Musiker vielleicht noch zu stoppen. Danke.

 

 

 

 

 

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